Dr. Juan Alfonso zur Peripherie im Nawalny-Fall

  1. Dr. Juan Alfonso zur Peripherie im Nawalny-Fall Dr. Juan Alfonso 5:17

Meine letzten Hoffnungen auf ein mögliches Aufkeimen eines neuen deutschen Freiheitsbewusstseins hatte ich in Anbetracht des ausgebliebenen Aufschreis nach dem „Wir schaffen das“-Hochverrat schon längst zu Grabe getragen.

Umso positiver überrascht erfreut es mich nun, Stimmen zu vernehmen, die, wenn auch aus dem europäischen Umland kommend, zumindest schon einmal in der deutschen Öffentlichkeit statt- und Gehör finden und welche überhaupt nur zu äußern bis vor kurzem noch als gänzlich undenkbar galt.

Die deutsche Verpflichtung der Welt gegenüber – die bis dato mehr oder weniger als Rolle der ewig schuldigen und verschuldeten Zahlemann & Söhne verstanden wurde – unverblümt bei ihrem Namen zu nennen und Deutschland direkt mit seiner Ausnahmestellung beim potenziellen Anstoßen einer Initialzündung für einen Prozess des Schaffens von Frieden für die Weltgemeinschaft zu konfrontieren, imponiert mir und war längst überfällig.

Auch in Argentinien sind wir zwar oft amüsiert darüber, was die Deutschen so alles mit sich anstellen lassen, sobald jemand das Zauberwort sagt, aber natürlich werden ebenso mit Entsetzen die komplette Entwurzelung und ihr devotes, missgeleitetes und orientierungsloses Verhalten wahrgenommen.

Die Ausdehnung der arglistigen Täuschung auf der einen und Ignoranz gegenüber der Wahrheit und unwiderlegbaren Tatsachen auf der anderen Seite metastasieren in ungeahnte Höhen und treiben hinzu noch so manch komische Blüte.

„Nie wieder Faschismus“ gilt aus naheliegenden Gründen als Staatsräson, dabei ist die BRD doch offizieller Nachfolger des Dritten Reiches und jeder Bürger durch seinen Personalausweis mit der Staatsangehörigkeit Adolf Hitlers „deutsch“ formal als Nazi gebrandmarkt.

Dieser offenkundigste aller Widersprüche kann als Paradebeispiel für die verqueren und auf Sand gebauten deutschen Vorstellungen der Wirklichkeit dienen und zeigt überdeutlich, wie besorgniserregend effektiv die vorsätzliche Fehlkonditionierung den Täter-Schuld-Duktus den Deutschen in Mark und Bein geimpft hat.

Mal ganz abgesehen vom juristischen Rheinwiesenlager-Status, in dem sich die Deutschen als „Disarmed Enemy Forces“ seit 1945 permanent befinden, erscheint es mir manchmal tatsächlich so, als wäre das Nachkriegs-Deutschland von Anfang an als ein riesiges, offenes Big Brother-Land konzipiert gewesen – und die gesamte restliche Welt darf die durch ununterbrochene Neuedukation auf allen Ebenen angeleiteten Deutschen als mahnendes und abschreckendes Beispiel beim Abtragen ihrer Kriegsschuld in dahinsiechendem Nihilismus beobachten.

Wenn dieses Bild vielleicht auch ein wenig zynisch anmuten mag, so schwingen doch ein tief empfundenes Mitgefühl sowie mein blankes Entsetzen über die Auswüchse der deutschen Konfusion, oder wie man bei uns sagt, des „Cabeza loca“, mit.

Aufzuzeigen, was Argentinien und Deutschland alles verbindet, könnte Thema eines ganzen Buches sein, denn unsere Berührungspunkte gehen weit über erfolgreiche Kooperationen im wissenschaftlich-technologischen Bereich wie beispielsweise die des Alfred-Wegener-Instituts mit dem Argentinischen Antarktis-Institut, die miteinander das Dallmann-Labor an der argentinischen Station Carlini betreiben, oder gemeinsame, nicht zum aushalten spannende Stunden bei diversen Weltmeisterschaftsendspiel-Thrillern hinaus.

Die profundesten uns und ebenso auch alle anderen Völker einenden Elemente sind zweifelsfrei das Recht auf Unabhängigkeit und der Anspruch auf Freiheit und Frieden.

Ich möchte meine Zeilen keineswegs als Kritik verstanden wissen – wäre ich in solch ein heimtückisches System, das der Propaganda-Maschinerie von Kim Jong-un zur Ehre gereichen oder gar als Vorbild dienen könnte, hineingeboren und in ihm aufgewachsen, würde ich vermutlich auch nicht mehr wissen, wo mir der Kopf steht und könnte demnach ebenso wenig weder zwischen wichtig und unwichtig, noch zwischen wahr und unwahr unterscheiden.

Vielmehr sollen meine Worte eher als amikaler Appell an die Rückbesinnung auf die gut versteckte und mit unzähligen falschen Glaubenssätzen überdeckte Fähigkeit zu autarkem Denken gelten und dazu anregen, den Mut aufzubringen, sich wieder des eigenen Verstandes zu bedienen.

Es wäre dem Patienten Deutschland, dringender denn je, zu wünschen, dass er beginnt, die Scheuklappen vor den eigenen Augen zu erkennen und abzulegen und dass er damit aufhört, sich in seinem anerzogenen, eingeredeten Schuld-Komplex zu suhlen und endlich Verantwortung übernimmt.

Eine wahrhaftige und ursächliche Rekonvaleszenz Deutschlands bedeutete gleichzeitig auch die Genesung der gesamten Welt.

Die Menschheit ist auf Deutschland angewiesen, denn mit dem Potsdamer Abkommen wohnt Deutschland als einzigem Land weltweit der „Sesam öffne dich“-Schlüssel für das Felsentor zu Weltfrieden und damit für den Ausweg aus dem globalen Kriegszustand inne.

Juan Alfonso